Über Medienrummel, Galgen und Doppelmoral

Galgen
 

Experiment “Galgen” beendet

Niemand konnte sich in den letzten Tagen dem Fakt entziehen, dass ein „böser“ Verein im Erzgebirge Galgen verkauft, die mit zwei Schildern von Politiker beschriftet waren. Wir haben den Verkauf der Galgen wieder eingestellt. Warum haben wir diese überhaupt verkauft?
Dieser Medienrummel hat gezeigt, wie eine falsche Anschuldigung, sowie eine Falschmeldung in einer Zeitung Deutschlands Meinung beeinflussen kann.

Es geht um den legendären Galgen den Jens Döbel auf einer Pegida Demo im Jahre 2015 zeigte. Dieses Holzgestell wird nun von Döbel-der hat’s Werkzeuge & Zubehör hergestellt und vertrieben. Die Süddeutsche dichtete nun einem Niederdorfer an Mini-Galgen produziert zu haben und im Vereinsheim des Vereines Heimattreue Niederdorf e.V. verkauft zu haben.
Die Süddeutsche Zeitung schrieb dazu gestern:
“Der Fall führt ins Erzgebirge. Ein Mann aus der Gemeinde Niederdorf hatte Miniatur-Galgen gebaut, sie beschriftet wie das Pegida-Original, und er hatte sie in den Räumen eines Vereins, der sich “heimattreu” nennt, zum Verkauf ausgestellt. Das Stück zu 15 Euro. Daran sei nichts auszusetzen, schreibt jetzt die Staatsanwaltschaft Chemnitz, der Verkauf dürfe weitergehen. Sie hat ihre Ermittlungen eingestellt. (Az. 250 Js 28707/17)”

Falsch ist:
1. Diese Teile wurden nicht in Niederdorf produziert und nicht verkauft, weder vom Verein, noch von einem Nichtvereinsmitlied in Niederdorf.
2. Die Teile wurden nicht für 15 Euro verkauft
3. Es gibt keinen Verein in Niederdorf mit dem Namen “heimattreu”
4. Sie waren nicht zum Verkauf im Vereinsheim “ausgestellt”.

Richtig ist:
1. Es gab wohl eine Anzeige gegen den Vereinsvorsitzenden des Vereines “Heimattreue Niederdorf e.V.” bei der Polizei, wo die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt hat. Von dieser Anzeige erfuhren wir erst aus der SZ. Woher hat die SZ diese Info, wenn noch nicht einmal die Betroffenen davon wußten?
2. Die SZ war für ein Porträt des Vereinsvorsitzenden im Frühjahr 2017 im Vereinsheim des Vereines “Heimattreue Niederdorf e.V.” und hat einen dieser Galgen dort auf einem Regal gesehen. Dieser Reporterin wurde die komplette Geschichte des Galgens erzählt.
3. Die Galgen wurden von dem Mann aus SCHWARZENBERG produziert und verkauft, der diesen auch auf der Pegida Demo im Jahre 2015 getragen hat. Dieser hat den Minigalgen auch seit Ende 2016 in SEINEM Onlieshop. Dieser Herr ist NICHT Mitglied des Vereines.
4. Ja wir kennen den Hersteller, dieser hatte den Minigalgen uns für unser Vereinsheim geschenkt.
5. Ja wir haben diesen Minigalgen, NACHDEM wir aus der SZ erfahren hatten, dass etwas gegen uns gelaufen ist für 48 Stunden verkauft.
6. Die ganze Geschichte und das Experiment zeigte, wie krank unsere Medienwelt ist. Das Experiment hat gezeigt, dass viele erst auf den Souvenier-Galgen durch den Artikel aufmerksam wurden und diesen bestellt haben. In den 48 Stunden medialer Aufmerksamkeit wurden mehr verkauft wie das ganze Jahr 2017!
7. Es hat sich gezeigt, welche Medien abschreiben, welche recherchieren und doch falsch berichten und welche Medien recherchieren und richtig berichten (leider die wenigsten).
8. Es hat die Doppelmoral der Politik und der Medien gezeigt. Haben wir im Artikel heraus gearbeitet und die Leute haben es verstanden. So zumindest die Reaktionen derer, die unseren Artikel gelesen haben.

Begonnen hat alles, mit einem Galgen der auf einer Pegida-Demo im Jahr 2015 gezeigt wurde.
Seit Ende 2016 wurde dieser bereits online beim Erfinder aus Schwarzenberg angeboten, niemanden hat es jedoch interessiert. Wir als Verein hatten diese nicht im Programm.
Erst durch eine falsche Beschuldigung und Anzeige entstand die Aufmerksamkeit und wir erfuhren vom angeblichen Verkauf in unserem Vereinsheim.

In der Mehrzahl haben wir nur positive Reaktionen auf den Medienrummel erhalten. Der Verkauf innerhalb von 48 Stunden übertraf all unsere Erwartungen. Negative, teils scheinheilige und falsche Reaktionen konnten wir meist nur von Politikern lesen. So äußerte sich Renate Künast (Grüne) und stellt klar, dass wir schon aufgefallen sind, da wir rechtsextremistische T-Shirts verkaufen. Welche meint sie hiermit? Können wir diese Shirts einmal sehen? Wir haben im Shop nur ein T-Shirt, das ist aber jedoch alles andere als rechtsextrem.

Instrumentalisierung durch die Politik

Natürlich meldete sich auch Marco Wanderwitz (CDU) zu Wort. Auf Twitter wurde er gefragt, wie denn CDU-Vertreter bei uns auftreten könnten. Seine Antwort einfach nur lächerlich. Wir hätten uns angeblich weiter radikalisiert. Im September, vor der Bundestagswahl hat die CDU noch unsere Räumlichkeiten zur Wahlwerbung genutzt, jetzt nur 2 Monate später sind wir nach deren Auffassung rechtsextrem. Ob es am Ego liegt, da Wanderwitz in Niederdorf gegen den AfD-Kandidaten verloren hat, können wir nicht sagen.

Die Doppelmoral der Politik und Medien zeigt sich auch an den Reaktionen zu anderen ähnlichen Symbolen auf Demonstrationen. Im Jahr 1997 schreibt der Spiegel nur von „marschierenden Studenten mit Stoffpuppen“.

Im Oktober 2015 ließ Malu Dreyer sich mit dem damaligen Juso-Chef ablichten. Auf dem T-Shirt zwei Personen, wobei eine Person der anderen eine Pistole an den Kopf hält und darunter das Wort „Capitalism“. Angeblich hätte sie das T-Shirt nicht gesehen. Niemanden interessierte das. Nur Bild berichtete kurz (http://www.bild.de/politik/inland/malu-dreyer/malu-dreyer-foto-fail-42984924.bild.html).

Ebenfalls im Oktober 2015 auf einer Anti-TTIP-Demo, die auch u.a. von den Grünen unterstützt wurde wird ein Nachbau einer Guillotine mit der Aufschrift „!Pass! blos auf Sigmar“ gezeigt. Erst nachdem das Foto vom Galgen auf der Pegidademo mit Empörung der Medien veröffentlicht wurde und Facebook-Nutzer die Doppelmoral kritisierten, veröffentlichten und kritisierten wenige Medien dann auch die Guillotine. Doch wo blieben hier die Statements von Hollstein, Wanderwitz, Künast und Co?

Die Arbeit der Medien

Die mediale Aufmerksamkeit zeigte auch, wie unsere Medien arbeiten. Während die Mehrheit einfach nur die Falschmeldung der „Süddeutschen Zeitung“ übernommen hat, gab es auch Medien die recherchierten. So standen die Telefone nicht still. N24 und MDR schickten dabei TV-Teams. Während MDR im Vorfeld sich mit uns telefonisch in Verbindung setzte, stand N24 einfach in Niederdorf vor einem Haus und filmte. Glücklicherweise wurde das Team jedoch darauf hingewiesen, dass sie ein falsches Haus filmten, sonst hätte es womöglich ein einfaches Wohnhaus in die Medien geschafft. Stellenweise fanden die Aktion selbst Reporter gut, schrieben dann aber komplett anders.

Am Beispiel der Bild können wir aufzeigen, wie unglaubwürdig der Journalismus teilweise ist. Insgesamt wurden wir 3x von Reportern der Bild angerufen. Und trotzdem schreiben sie falsch. So wird geschrieben, es gäbe zwei Versionen des Galgens. Einer mit Frau Merkel, einer mit Herrn Gabriel. Wenn selbst die einfachsten Dinge nach drei Anrufen falsch geschrieben werden, können wir nur erahnen, wie Bild recherchiert und dann trotzdem anders schreibt.

Der MDR filmte Thomas Witte im Vereinsheim und stellte Fragen. So unter anderem wie wir uns politisch selbst sehen. Die Antwort: „Wir stehen politisch da, wo die CDU bis 2012 ebenfalls stand“,´. Diese Antwort wurde natürlich unterschlagen, da sie nicht in das Bild des „bösen Rechtsextremisten“ passt.

Unser Fazit aus diesem Experiment:

Die Presse schreibt meist einfach nur gegenseitig ab, ohne auf den Wahrheitsgehalt zu prüfen. Politiker haben eine sehr große Doppelmoral, für sie sind Gleiches und Gleiches nicht immer gleich.
Die Menschen in Deutschland sind nicht so dumm, wie von den Politikern und Medien gedacht. Sie lassen sich viel weniger manipulieren, wie diese Vertreter sich erhoffen.

Den moralischen Fakt des Galgens muss jeder für sich selbst beantworten. Hier wollen und können wir den mündigen Bürger nicht bevormunden. Doch die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, das Verfahren einzustellen ist vollkommen korrekt. Sicher ist Protest immer ein schmaler Grat, doch wenn Guillotinen und Galgen bei den einen erlaubt sind und kaum einen Aufschrei erzeugen, dann muss gleiches Recht für alle gelten. Der Galgen war nie ein Aufruf zur Gewalt, so war er auch nie vom Erfinder gedacht. Er sollte zur Diskussin anregen  und das hat er geschafft.

Wir werden gegen die Presse rechtlich nicht vorgehen. Die Gerichte sind bereits genug überlastet, auch wegen vielen lächerlichen Angelegenheiten. Gegen den Anzeigenerstatter behalten wir uns jedoch rechtliche Schritte vor und werden zu gegebener Zeit entscheiden, ob wir wegen Falschanschuldigungen und Verleumdung Anzeige erstatten.

Wie geht es weiter?

Die Gewinne aus dem Verkauf der Galgen gehen wie versprochen an Obdachlose in Chemnitz. Wir als Verein werden die Summe auf die vollen hundert Euro aufrunden. Schauen wir, ob wir bei der Übergabe ebenfalls solch Medienrummel haben werden. Doch wir glauben kaum, denn die Schwächsten in unserer Gesellschaft haben leider keine Lobby weder in Politik und noch bei den Medien. Das Ergebnis werden wir transparent auf unserer Facebookseite veröffentlichen. Die bereits bestellten Galgen werden wir natürlich kommende Woche ausliefern.

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